Von Dr. Winfried Kather

Manchmal ist ein Anfang mehr als nur
der erste Schritt ...

 
Sommer 1996. Gemeinsam mit einer Gruppe von rund 20 Hypnose- Interessenten war ich nach Malta geflogen, wo wir in einem zauberhaften Hotel logierten. Bereits um neun Uhr morgens kletterten die Temperaturen auf über 20 Grad. Sonne, Himmel und unsere Mienen strahlten um die Wette. An jenem Morgen freuten wir uns auf einen weiteren Tag, an dem wir mehr über Hypnose lernen würden.
  Soeben hatten wir einen Vortrag über Hypnose und das Immunsystem gehört, als uns ein grau melierter Herr in den Fünfzigern vorgestellt wurde. Der Unbekannte namens Victor Rausch erwies sich als überaus sympathisch. Er sollte uns über seine Hypnose-Arbeit berichten. Also stand er auf und blickte neugierig in die Runde. "Wer", so hob Rausch an, "möchte einmal eine Trance erleben?"
Gudrun, eine Kollegin aus Wien, meldete sich und nahm inmitten der Runde auf dem Hypnose-Stuhl Platz. Victor ging auf Gudrun zu, bedankte sich freundlich für ihr Mitwirken. "Wenn du genau das tust, was ich dir sage, wirst du ganz schnell in eine hypnotische Trance fallen. Bist du damit einverstanden?" Eine Erklärung darüber, was im Einzelnen geschehen würde, blieb aus. Gudrun willigte kopfnickend ein. "Atme einmal tief ein und aus", hörte sie. "Schau jetzt auf die Spitze meines Fingers, nimm einen tiefen Atemzug und halte die Luft an. Wenn ich deine Stirn berühre, schließe deine Augen und falle in einen tiefen hypnotischen Schlaf."

Kaum waren diese Worte ausgesprochen und Gudruns Stirn berührt, schlossen sich ihre Augen, der Kopf sank sanft auf ihre Brust und Gudrun befand sich in Trance. An dieser Stelle nahm Victor Rausch den Faden wieder auf: "Atme jetzt ganz tief aus und wieder ein. Nichts stört, alles ist ok.

Jeder Atemzug, jedes Wort lässt dich tiefer und tiefer sinken." Er nahm Gudruns rechten Arm, hob ihn hoch. "Lass deinen Arm jetzt hart werden wie einen Stahlträger. Mit jeder Zahl, die ich jetzt zähle, wird dieser Arm schwerer und schwerer. Er nimmt dich mit in eine noch viel tiefere Trance."

Ebenso sprachlos wie ungläubig sahen wir einander an. Was war da geschehen? Konnte es sein, dass jemand binnen Sekunden in eine tiefe Trance fällt? War dies nur ein Schauspiel? Oder eine Show? Der geheimnisvolle Fremde ergriff nun Gudruns rechten Arm am Handgelenk, hob ihn nochmals und führte ihn in eine abgewinkelte, frei schwebende Stellung. "Dies ist jetzt die angenehmste Stellung deines Arms. Jede andere Stellung ist unbequem. Herauf wie herunter ist unbequem. Rechts und links ist unbequem. Keine andere Stellung ist bequem." Wie "geheißen" saß Gudrun da: Tief in Trance, mit schwebendem Arm und völlig entspannt. "Jetzt öffne die Augen, dein Kopf wird ganz wach, während der Rest deines Körpers völlig entspannt in Trance bleibt." Und tatsächlich: Gudrun öffnete die Augen, blickte ihren Hypnotiseur an und sprach mit ihm. Ihr Arm schwebte ...

 





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Der Tag begann wie jeder andere. Mein junger Patient Thomas [Name geändert], vier Jahre alt, lag schon intubiert vor mir. Eine zahnärztliche Gesamtsanierung war angesagt und da Thomas nicht behandlungswillig war, hatte ich der Mutter vorgeschlagen, den Eingriff in Intubationsnarkose durchführen zu lassen.

 

 

Dies war für unser Team aus Ärzten, Zahnärzten und Schwestern nun wirklich nichts Neues, denn wir hatten schon seit Jahren gute Erfahrungen in solchen Fällen sammeln können. Auch heute schien alles seinen routinemäßigen Gang zu gehen. Ohne größere Komplikationen hatte ich einige Milchzähne entfernt und andere konservativ versorgt. Ich war froh, als ich mein Besteck zur Seite legen konnte, denn das Halothangas war mir in die Nase gestiegen und ich hatte das Gefühl, etwas benebelt zu sein. „Ist Ihr Patient,“ sagte ich noch fröhlich zur Anästhesistin, die den kleinen Thomas jetzt wieder aus der Narkose holen konnte. Doch plötzlich war alles anders. Meine Kollegin schob mich beiseite und beugte sich über den kleinen Thomas. In ihrem Gesicht sah ich den Ausdruck des Schreckens. Der kleine Thomas wollte und wollte nicht aufwachen. Zwanzig Minuten kämpfte sie um das Leben des Kleinen. Fürchterliche Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ich fühlte Mitschuld. Hatte doch ich der Mutter empfohlen, die Behandlung in Vollnarkose durchführen zu lassen. Wie sollte ich ihr vor die Augen treten, wenn das Schrecklichste aller Dinge eintreten würde? Doch endlich sah ich ein freudiges Lächeln über das Gesicht meiner Kollegin ziehen, als sie mir zu flüsterte: „Alles ist wieder gut!“ Dieser Zwischenfall gab mir viel zu denken und ließ mich auf auf die Suche gehen. Immer wieder überlegte ich, „irgendwie musses doch eine Behandlungsmethode nahezu ohne Kontraindikationen geben!“ Selbstverständlich hatte ich irgendwann in meinem Leben etwas von Hypnose gehört. Aber war dies alles nicht einfach Scharlatanerie oder schwarze Magie? Trotz aller Zweifel beschloss ich mich näher zu informieren. Von Kollegen hatte ich erfahren, dass der damalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hypnose in Jena Hypnosekurse durchführen würde. Wie enttäuscht war ich dann, als Volker Reindel mir mitteilte, dass er seine Ausbildungsreihe einstellen würde, aber ich sollte mich vertrauensvoll an den Kollegen Kather in Aldenhoven bei Aachen wenden. „Bei Aachen“, dachte ich mit Schrecken, „das ist ja fast 600 km von Lobenstein entfernt!“ So reiste ich eines Tages in das unbekannte Land der Hypnose und die Faszination hat mich nicht mehr losgelassen...
 



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